EnergieSzene



News und Trends aus der Energiewirtschaft  August 2010




Topthema

Biomethan - erneuerbar, vielseitig, effizient

Wird Biogas, das aus nachwachsenden Rohstoffen und organischen Abfällen gewonnen wird, zu Biomethan bzw. Bioerdgas veredelt, lässt es sich problemlos über das bestehende Erdgasnetz an weit verteilte Nachfrageorte transportieren und ebenso wie Erdgas für unterschiedlichste Zwecke einsetzen.

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Kopf des Monats

Dr. Oliver Geden

Oliver Geden plädiert dafür, dass ambitionierte klimapolitische Akteure wie die EU den Beweis antreten, dass die Transformation in "low carbon economics" technologisch möglich und ökonomisch auch erfolgreich ist. Gelänge dies, würden andere Industrie- und Schwellenländer schon aus Eigeninteresse folgen, auch ohne Weltklimavertrag.

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Literaturtipp

Energie Revolution

Die Autoren wollen mit ihrem Buch aufzeigen, dass ein Abschied von den fossilen Energien und der Kernkraft für den Klimaschutz, aber auch für die wirtschaftliche und politische Stabilität notwendig ist. Sie machen aber auch klar, dass ein Umstieg auf Erneuerbare nur im Konzert mit Maßnahmen für mehr Energieeffizienz sowie massiven Verhaltensänderungen der Energieverbraucher möglich ist.

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Aus dem Inhalt
Studie
Stromversorgung der Zukunft: "Business as usual" ist keine Alternative
Stromtransport
Netzausbau braucht innovative Lösungen
ASUE News
Kraft-Wärme-Kopplung lohnt fast immer
EnergieSzene Berlin
Knapp 20 Prozent erneuerbare Energien bis 2020 erreichbar
EnergieSzene Brüssel
Kaum Mehrkosten durch Alleingang der EU im Klimaschutz
IEU News
Effiziente Kombination: Erdgas-Brennwerttechnik plus Erneuerbare
Erdgasförderung
Produktionsstart im Babbage-Gasfeld
Zahlen & Fakten
Energieverbrauch wächst stärker als die wirtschaftliche Leistung


Vorwort

Liebe Leser,
 
der "Nationale Aktionsplan für eneuerbare Energie" ist verabschiedet. Ehrgeizige, aber mit den entsprechenden Anstrengungen auch erreichbare Ziele für den Anteil der Erneuerbaren an der Energieversorgung des Jahres 2020 sind damit vorgegeben. Um diese Ziele zu erreichen, müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Die verstärkte Nutzung von Wind- und Sonnenenergie für die Stromerzeugung ist dabei selbstverständlich, aber untrennbar verbunden mit dem dringend notwendigen Ausbau der Übertragungsnetze und Speicherkapazitäten. Neben Umweltwärme und Geothermie gehört auch der Ausbau der Wasserkraft dazu, zumindest an solchen Standorten, wo das noch möglich ist. Nicht zu vergessen die Bioenergien, vom Biokraftstoff bis zum Biogas und Bioerdgas bzw. Biomethan. Gerade das Potenzial von Bioerdgas sollte man nicht unterschätzen. Es lässt sich leicht durch ein bestehendes Erdgas-Verteilnetz transportieren und kann gezielt am Ort der Nachfrage verwertet werden. Auf diese Weise können beispielsweise auch Erdgasfahrzeuge vom Angebot an erneuerbaren Energien profitieren.

Eine interessante Lektüre wünscht
Rolf Sweekhorst

 
 

Topthema

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Biomethan - erneuerbar, vielseitig, effizient

Biomasse ist ein nachwachsender Rohstoff, aber auch eine begrenzte Ressource. Sie ist laut dem nationalen Biomasseaktionsplan der Bundesregierung "gegenwärtig als einziger erneuerbarer Energieträger in der Lage, einen nachhaltigen Beitrag zur Bereitstellung von Strom, Wärme und Kraftstoffen zu sichern". Biogas, das aus nachwachsenden Rohstoffen und organischen Abfällen gewonnen wird, zählt zu den effizientesten Bioenergieformen. Wird Biogas zu Biomethan bzw. Bioerdgas veredelt, lässt es sich problemlos über das bestehende Erdgasnetz an weit verteilte Nachfrageorte transportieren und ebenso wie Erdgas für unterschiedlichste Zwecke einsetzen.
 

Biomethan ist ein vollwertiges Erdas-Substitut und firmiert im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Bioerdgas. Der Ausbau der Biomethanproduktion und -verwendung ist erklärtes Ziel der Bundesregierung. In 2020 sollen es schon rund sechs Milliarden Kubikmeter dieses erneuerbaren Energie-"Rohstoffes" sein, die jährlich in das Erdgasnetz eingespeist werden. Das sind etwa sieben Prozent des aktuellen Erdgasverbrauchs in Deutschland. Bis 2030 soll die jährliche Einspeisung sogar auf zehn Milliarden Kubikmeter ansteigen.


Rohstoff für die
Bioerdgas-Produktion:
erntereife Maispflanzen 






Bioenergie steht allerdings wegen der begrenzten Anbauflächen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Die Nahrungs- und Futtermittelproduktion hat Priorität. Der nationale Biomasseaktionsplan geht von 2,5 bis vier Millionen Hektar Ackerfläche aus, die in 2020 für die Biomasseproduktion zur Verfügung stehen. Für die Produktion von Biogas wird, anders als bei anderen Bioenergien, die gesamte Pflanze energetisch verwendet. In Deutschland verarbeiten nach Branchenangaben derzeit mehr als 4.700 Anlagen sogenannte Energiepflanzen wie z. B. Mais und Grünroggen, aber auch Gülle, Grünschnitt oder organische Abfälle zu Biogas. Bisher wird dieses Gas überwiegend in Blockheizkraftwerken vor Ort in Blockheizkraftwerken verstromt. Die anfallende Wärme wird zur Beheizung von Wohnungen und Stallungen sowie für Trocknungsprozesse eingesetzt.

Deutlich flexibler, vielseitiger und effizienter ist Biogas, wenn es zu Biomethan veredelt wird. Dann ist es von fossilem Erdgas nicht mehr zu unterscheiden und kann in das bestehende, weit verzweigte und nahezu flächendeckend ausgebaute Erdgas-Versorgungsnetz eingespeist werden. Letztlich wird dieser Energie-"Rohstoff" unabhängig vom Ort der Erzeugung gezielt am Ort der Energienachfrage eingesetzt: Er heizt Häuser, er erzeugt Strom und er treibt Fahrzeuge an. Dabei kann auf bewährte Techniken wie Erdgasmotoren, Erdgasfahrzeuge und Erdgas-Brennwertheizungen zurückgegriffen werden. Ein weiterer Vorteil, der das Biomethan von anderen Erneuerbaren wie Sonne und Wind unterscheidet: Die Erzeugung von Bioerdgas ist nicht witterungsabhängig und kann rund um die Uhr erfolgen. Zudem können für die Speicherung vorhandene Speicher im Erdgasnetz genutzt werden.


Mehr Durchblick in Sachen Energiepflanzen

"Der Anbau von Energiepflanzen wie Mais, Raps und Co ist (...) Vorwürfen wie Flächenverbrauch, Preistreiberei oder Regenwaldzerstörung ausgesetzt. Viele dieser Vorurteile halten jedoch einer näheren Überprüfung nicht stand", sagte Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, bei der Vorstellung der neuen Broschüre "Der volle Durchblick in Sachen Energiepflanzen". Die neue Broschüre, die gemeinsam mit der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe erarbeitet wurde, ist im Internet abrufbar unter den Adressen www.unendlich-viel-energie.de oder direkt unter diesem Link von der Seite www.fnr.de.


In Schwandorf in der Oberpfalz wird seit 2008 Biogas auf Erdgasqualität aufbereitet und anschließend in das Erdgasnetz des Versorgers E.ON Bayern eingespeist. 85.000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe werden hier benötigt, um Jahr für Jahr etwa 16 Millionen Kubikmeter Biomethan zu produzieren. Neben Mais werden Silagen aus Gras und Zwischenfrüchten eingesetzt. Mehr als 100 Landwirte aus der Umgebung beliefern die Anlage.




Aktuell baut die Schmack Biogas GmbH im fränkischen Gollhofen eine 6,7 Megawatt-Biogasanlage. Nach Fertigstellung sollen jährlich rund fünf Millionen Kubikmeter Biomethan produziert und in das Erdgasnetz des Nürnberger Energieversorgers N-ERGIE eingespeist werden. Den Rohstoffmix aus Mais-, Ganzpflanzen-, Grassilage und Zwischenfrüchten - 50.000 Tonnen pro Jahr - liefern die Landwirte aus der Region. Ulrich Schmack, Geschäftsführer des seit Januar zur Viessmann-Gruppe gehörenden Unternehmens: "Wir haben bereits im letzten Jahr dieses Projekt gemeinsam mit N-ERGIE entwickelt und einiges an Vorarbeit geleistet. Wir freuen uns, dass nun durch den Einstieg von E.ON Bayern Wärme als weiterer Investor das Projekt realisiert werden kann und wir den Auftrag zum Bau erhalten haben."

 
Studie

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Stromversorgung der Zukunft: "Business as usual" ist keine Alternative

Europas Stromversorgung steht vor massiven Veränderungen: Fossile Energien sollen ersetzt, regenerative Energien ausgebaut werden. Um in diesem sich verändernden Markt erfolgreich agieren zu können, müssen sich die Unternehmen von reinen Versorgern zu umfassenden Energie-Lösungsanbietern wandeln und eine stärkere Rolle beim Ausgleich fluktuierender und zunehmend komplexer Energiequellen einnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die Boston Consulting Group (BCG) in ihrer aktuellen Studie "Toward a Distributed-Power World". Die Untersuchung beschreibt die Branchentrends und bewertet Risiken und Chancen für Energieversorger in einer zunehmend dezentralen Energielandschaft.

Die BCG-Studie prognostiziert bis zum Jahr 2020 in den EU-Mitgliedsstaaten einen deutlichen Zuwachs bei Wind- und Photovoltaik-Energie sowie kleinen Blockheizkraftanlagen und in der Folge einen Anstieg der dezentralen Stromerzeugung auf 40 Prozent an der installierten Gesamtkapazität. Bis zum Jahr 2020 sollen nach BCG-Berechnungen die Erneuerbaren und die Kraft-Wärme-Kopplung zusammen mehr als die Hälfte der in der EU verbrauchten Elektrizität liefern können. Der Rest stamme überwiegend aus Kernkraftwerken, während fossil befeuerte Kraftwerke immer weniger eingesetzt und vor allem zum Ausgleichen von Angebotsschwankungen dienen würden. 

Der Energiemarkt der Zukunft wird laut BCG durch zentrale Offshore-Windanlagen und Solarthermieanlagen, aber auch durch dezentrale Energiequellen wie etwa Photovoltaik und Biomasse bestimmt. Insbesondere Photovoltaikanlagen sind aktuell auf dem Vormarsch: Lag die installierte Photovoltaik-Kapazität in der EU Ende 2009 noch bei gut zehn Gigawatt, wird sie in zehn Jahren auf über 90 Gigawatt allein bei dezentralen Anlagen ansteigen. Auch kleinere Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen für Industrie, Gewerbe und private Verbraucher sind Erfolg versprechend und werden bereits vermarktet. Gleichzeitig sind großflächige Projekte zur kohlenstoffarmen Energieerzeugung in der Planung oder im Aufbau, darunter das "Desertec"-Konzept, mit dessen Hilfe 2050 bis zu 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs mit Wüstenstrom gedeckt werden soll. Ein weiteres Beispiel ist die Nordsee-Offshore-Initiative (North Seas Countries' Offshore Grid Initiative), zu der sich neun europäische Staaten in Fragen der Netzanbindung von Offshore-Anlagen zusammengeschlossen haben.

"Verbunden mit einem steigenden Anteil erneuerbarer fluktuierender Energien am Energiemix wächst auch der Bedarf an Integrationsmechanismen. Dazu zählen der Ausbau von Übertragungsleitungen, die Einführung von Energiespeichersystemen sowie intelligente Netze, die eine ausgefeilte Nachfragesteuerung ermöglichen", erklärt Frank Klose, Energieexperte und Geschäftsführer bei BCG. "Aber auch konventionelle Kraftwerke können eine entscheidende Rolle mit der Bereitstellung von Reservekapazität einnehmen, wenn sie die nötige Flexibilität besitzen."

Um die Klimaschutzziele der EU zu erreichen, so das Fazit der Studie, sind neben regenerativen Energien und verteilten Energiequellen drei Voraussetzungen erforderlich: eine neue, IT-gestützte Infrastruktur, staatliche Förderung sowie insbesondere innovative Geschäftsmodelle. Mit Blick auf die Infrastruktur ist die gezielte Ausweitung von Übertragungsleitungen notwendig. Hinzu kommen ein intelligenteres Verteilernetz, die Schaffung einer flexibleren Stromerzeugung und die Entwicklung leistungsfähiger Speichertechnologien. Zudem werden Kommunikationssysteme und Software für dezentrale Energiesysteme benötigt.
 
Nicht zuletzt fordert die Boston Consulting Group staatliche Unterstützung für die Schaffung einer Energielandschaft, die eine kohlenstoffarme Zukunft zu angemessenen Preisen ermöglicht. "Statt einzelne Technologien zu unterstützen, sollte die Energiepolitik zukünftig gezielt eine verbesserte Energiesystemstabilität und die Integration fluktuierender Einspeisung fördern", resümiert BCG-Experte Klose. 

Die englischsprachige Studie "Toward a Distributed-Power World" ist auf der BCG-Website (www.bcg.de) unter diesem Link zum kostenlosen Download eingestellt.

 
Stromtransport

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Netzausbau braucht innovative Lösungen

Innovative Lösungen beim Netzausbau sind nach Meinung von Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, notwendig. Um in Deutschland den Transport großer Mengen Strom aus erneuerbaren Energien von Norden nach Süden langfristig zu gewährleisten, seien Fortschritte beim Netzausbau notwendig. Neue Übertragungstechnologien könnten den Netzausbau zwar ergänzen, aber nicht ersetzen. Dieses Fazit zog Kurth aus dem Workshop "Technologieoptionen zur Deckung des Kapazitätsbedarfs in den Übertragungsnetzen". Keiner der Vertreter aus Wissenschaft und Industrie sehe eine realistische Alternative zu den 24 im Energieleitungsausbaugesetz enthaltenen Ausbauvorhaben. "Darüber hinaus ist die Herausforderung, ab 2020 weitere rund zwölf Gigawatt Strom aus erneuerbaren Energien von Nord- nach Süddeutschland transportieren zu müssen, nach Ansicht der Experten mit keiner der heute eingesetzten Technologien allein zu meistern. Wir müssen daher schon jetzt über innovative technologische Lösungen diskutieren, um sie dann möglichst im Konsens mit allen Beteiligten umsetzen zu können", betonte Kurth. Zentrale Themen des Workshops waren die Möglichkeiten und Kosten des Einsatzes von Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) und Hochtemperaturleiterseilen. Als eine weitere Option zur Bewältigung der steigenden Transportaufgaben im Übertragungsnetz wurde die Errichtung eines neuen Drehstromnetzes in der Frequenz des Bahnstromnetzes erörtert. Diese Technologie könnte insbesondere beim Anschluss von Offshore-Windparks Bedeutung erlangen. Kurth: "Es sollten möglichst bald praktische Tests neuer Übertragungstechnologien erfolgen, soweit dies unter dem Aspekt der Netzsicherheit verantwortbar und bezahlbar ist."

 
ASUE News

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Kraft-Wärme-Kopplung lohnt fast immer

Krankenhaus-Experten profitieren von ASUE-Knowhow


Die effiziente, nachhaltige und kostengünstige Energieversorgung großer Gebäude ist nicht allein aus Gründen des Klimaschutzes ein wichtiges Thema. Denn wer Energie spart, spart in der Regel auch Kosten. Und das ist angesichts der jüngeren Entwicklungen im Gesundheitswesen vor allem für die Betreiber von Krankenhäusern ein wichtiger Gesichtspunkt. Auf dem diesjährigen "2. Kongress für dezentrale Energien und Energieeffizienz" in Wiesbaden standen deshalb mit gutem Grund Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen im Fokus der zahlreichen Vorträge und Diskussionen. Partner des Kongressveranstalters war der BUND Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland. Die ASUE Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch war als ideeller Träger an der Veranstaltung beteiligt. Fast zeitgleich fand in Düsseldorf ein Workshop zum Thema Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in Krankenhäusern statt. Die EnergieAgentur.NRW, die Fachvereinigung Krankenhaustechnik (FKT), die ASUE und der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) hatten dazu zahlreiche Fachleute zum Meinungsaustausch in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt geladen.

KWK in Krankenhäusern fast immer wirtschaftlich

Fazit der Düsseldorfer Veranstaltung: Kraft und Wärme zu koppeln lohnt sich noch immer - zumindest für größere Krankenhäuser. "Die Botschaft lautet: Unabhängig von Veränderungen in der Förderkulisse steht die Wirtschaftlichkeit von KWK in Krankenhäusern ab 400 Betten nicht zur Diskussion", fasst Matthias Kabus von der EnergieAgentur.NRW die Ergebnisse des Workshops zusammen. Aber auch in kleineren Kliniken sei KWK durchaus sinnvoll. Steigende Energiepreise und der Betrieb von Krankenhäusern nach zunehmend ökonomischen Kriterien machten die eigenständige, von Energiepreisschwankungen möglichst unabhängige Versorgung zu einem großen Thema in deutschen Kliniken. Die Einnahmeseite sei größtenteils staatlich reglementiert, deshalb richte sich das Hauptaugenmerk auf die Minimierung der Kosten. Dazu Kabus wörtlich: "Durch den Einsatz einer KWK-Anlage können die Energiekosten langfristig erheblich reduziert werden." Dies vor allem, weil Krankenhäuser wegen ihres ganzjährigen Wärmebedarfs ideale Einsatzbedingungen für die gekoppelte Versorgung mit Strom und Wärme böten. Nach einigen Veränderungen der Förderlandschaft liegen die aktuellen Amortisationszeiten für KWK-Anlagen zwischen drei und zehn Jahren. Zusammen mit der hohen Effizienz und der Nachhaltigkeit mache das diese Versorgungstechnik noch immer zu einer sehr interessanten Option, erklärte Kabus. Allerdings müssten schon in der Frühphase der Planung die standortabhängigen Rahmenbedingungen wie Platzanforderungen, Schallemissionen und die Lage zum Kamin sorgfältig untersucht und beachtet werden.

Ausgezeichnet: Energie sparende Krankenhäuser

Nach unabhängigen Erhebungen könnten die Krankenhäuser bundesweit jährlich etwa 600 Millionen Euro an Energiekosten einsparen und dabei jährlich sechs Millionen Tonnen CO2 vermeiden. Auf dieses Potenzial zielt der BUND mit seinem Gütesiegel "Energie sparendes Krankenhaus" ab. Aktuell glänzen bundesweit 23 Kliniken mit diesem Prädikat. Nach welchen strengen Kriterien die Auszeichnung verliehen wird, wurde anlässlich des Kongresses in Wiesbaden deutlich. Neben einem Grundsatzvortrag zum Einsparpotenzial, das die KWK Krankenhäusern bietet, wurden im Verlauf der Veranstaltung zahlreiche konkrete Beispiele von Kliniken aus ganz Deutschland vorgestellt. Auch Themen wie Kältererzeugung, Änderung des Energienutzungsverhaltens, Solare Kühlung, Contracting, Energiemanagement oder Wärme aus Biomasse kamen zur Sprache und stießen auf reges Interesse der Tagungsteilnehmer.

Informationen zu den Diskussionsbeiträgen des Wiesbadener Kongresses können per Mail unter info@asue.de angefordert werden.


Die neue Auflage des Branchenenergiekonzeptes "Leitfaden Energieeffizienz für Krankenhäuser" steht unter der Adresse www.energieagentur.nrw.de zum Download zur Verfügung.
 














Die von der ASUE in Zusammenarbeit mit der EnergieAgentur.NRW herausgegebene Broschüre "Blockheizkraftwerke in Krankenhäusern" ist unter www.asue.de zum kostenlosen Download eingestellt.

 

 

 
EnergieSzene Berlin/Brüssel

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Nationaler Aktionsplan: Knapp 20 Prozent erneuerbare Energien bis 2020 erreichbar

Das Bundeskabinett hat den Nationalen Aktionsplan für erneuerbare Energie beschlossen. Sie hält an dem verbindlichen Ziel von 18 Prozent erneuerbare Energie am Bruttoendenergieverbrauch im Jahr 2020 fest, hält es aber für möglich, dass diese Marke mit annähernd 20 Prozent noch übertroffen wird. Bundesumweltminister Norbert Röttgen sagte: "Der Weg ins regenerative Zeitalter ist ehrgeizig und technisch anspruchsvoll. Um unsere Ziele zu erreichen, muss auch die Energieeffizienz deutlich steigen. Zudem ist für den erwarteten Ausbau der Offshore-Windenergie und den wachsenden Stromhandel auch der Ausbau der Stromnetze und der Speicherkapazitäten erforderlich. Hier wird das Energiekonzept der Bundesregierung deutliche Akzente setzen." Für die einzelnen Sektoren ergeben sich im Aktionsplan für 2020 ein Anteil von 15,5 Prozent erneuerbarer Energie im Bereich Wärme/Kälte, von 38,6 Prozent am Strom und von 13,2 Prozent im Verkehr. Die zur Zielerreichung notwendigen Maßnahmen und Instrumente, wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), sind laut dem Bundesumweltministerium bereits im Kern etabliert, würden jedoch auch zukünftig kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt. Im Rahmen der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien müssen die EU-Mitgliedstaaten anhand eines vorgegebenen Musters einen Nationalen Aktionsplan mit Maßnahmen und Ausbaupfaden zur Erreichung des verbindlichen nationalen Ziels vorlegen. Der Aktionsplan findet sich unter www.erneuerbare-energien.de (Download).


Kaum Mehrkosten durch Alleingang der EU im Klimaschutz

Wenn die EU im Alleingang für 2020 ohne die Zugeständnisse anderer Länder eine Senkung der Treibhausgasemissionen um 30 statt 20 Prozent anstrebt, sinkt die Wirtschaftsleistung nur um weniger als 0,1 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI im Rahmen einer Studie für das Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit der Virginia Tech und dem Öko-Institut Berlin. Danach betragen die volkswirtschaftlichen Kosten für Reduzierungsmaßnahmen in Ländern mit freiwilligen Zusagen unter der Annahme, dass Emissionsrechte international gehandelt werden können, höchstens 0,25 Prozent des BIP in 2020. Mit einem BIP-Verlust von durchschnittlich 1,4 Prozent tragen die Entwicklungs- und Schwellenländer allerdings eine relativ höhere Belastung als die Industrieländer, die im Durchschnitt nur 0,1 Prozent des BIP einbüßen. Lege man als Kriterium für die Verteilung zukünftiger Klimaschutzziele die Veränderungen des BIP zugrunde, rechtfertigten diese Ergebnisse ambitioniertere Minderungsziele für Industrieländer ebenso wie Kompensationszahlungen an Entwicklungs- und Schwellenländer, so die Autoren. Die ökonomischen Wirkungen der Klimaschutzanstrengungen seien also weltweit ungleich verteilt. So würden die Exporte aus Entwicklungsländern, die vergleichsweise CO2-intensiv produzieren, verringert und dadurch die Wirtschaftsleistung der betroffenen Regionen abgeschwächt. Dagegen profitierten Regionen wie die EU oder Japan, die relativ CO2-arm produzieren, aufgrund von Außenhandelsvorteilen. Projektleiter Joachim Schleich vom Fraunhofer ISI: "Investitionen in klimaschonende Produktionsverfahren stärken also langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit in energie- und außenhandelsintensiven Branchen. Das Ziel, eine 30-prozentige Minderung von Treibhausgasemissionen in der EU zu erreichen, sollte daher weiter forciert werden."


IG BCE: Geplante EU-Kohlebeihilfeverordnung nicht akzeptabel

"Wir werden uns mit allen Mitteln gegen ein Auslaufen der deutschen Steinkohlenförderung bis Oktober 2014 zur Wehr setzen. Denn das würde Massenentlassungen zur Folge haben", kritisierte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis den Vorschlag der EU-Kommission für eine neue EU-Kohlebeihilfeverordnung. Danach sollen ab Januar 2011 Betriebsbeihilfen nur noch für Steinkohlebergwerke erlaubt werden, die bis 15. Oktober 2014 stillgelegt werden. "Das ist völlig unzureichend. Das kann auch die Bundesregierung nicht hinnehmen. Sie muss nun im EU-Ministerrat durchsetzen, dass dieser Vorschlag nachgebessert wird. Die Beihilfeverordnung muss die Regelungen des Steinkohlefinanzierungsgesetzes zur Sozialverträglichkeit und die Förderung eines Sockelbergbaus zulassen."

Der im Jahr 2007 unter der Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgehandelte Kohlekompromiss sieht den Ausstieg Ende 2018 vor. Gleichzeitig eröffnet er für das Jahr 2012 die Möglichkeit, den Ausstiegsbeschluss erneut zu prüfen und gegebenenfalls zu revidieren. Die Brüsseler Pläne stellen dies nun in Frage. "Wir erwarten, dass die Bundesregierung vertragstreu bleibt", sagte Vassiliadis nach einem Treffen mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. "Die Bundeskanzlerin muss zu ihrem Wort stehen", so Kraft. "Die Landesregierung wird auf nationaler wie europäischer Ebene alles ihr Mögliche tun, damit die deutsche Kohle-Einigung Bestand hat."

 

 

 
IEU News

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Effiziente Kombination

Erdgas-Brennwerttechnik plus Erneuerbare spart Energie und CO2


Der von Bundesumweltminister Norbert Röttgen vorgelegte und vom Bundeskabinett beschlossene "Nationale Aktionsplan für erneuerbare Energie" (s. Berlin/Brüssel, S. 5) erwartet für das Jahr 2020 einen Anteil der Erneuerbaren am Bruttoendenergieverbrauch von knapp 20 Prozent. Der Plan nennt auch Zielwerte für einzelne Verbrauchsgruppen. Für den Sektor Wärme/Kälte ergibt sich bis 2020 nach den Schätzungen ein Anteil von 15,5 Prozent - 1,5 Prozentpunkte mehr, als von der Bundesregierung zuvor als verbindliches Ziel festgelegt worden war. Nach Auffassung von Bundesumweltminister Röttgen muss zur Erreichung der ehrgeizigen Vorgaben die Energieeffizienz deutlich steigen.

In der effizienten Wärmeversorgung in Kombination mit erneuerbaren Energien sieht die Initiative Erdgas pro Umwelt (IEU) ein großes Potenzial zugunsten des Klimaschutzes. "Eine Heizungsmodernisierung auf Basis der hocheffizienten Erdgas-Brennwerttechnik, kombiniert mit erneuerbaren Energien wie z. B. der Solarthermie, sollte verstärkt gefördert werden, um alle Modernisierungspotenziale aktivieren zu können. Darüber hinaus würde so auch auf die begrenzten Budgets vieler Hausbesitzer Rücksicht genommen. Denn Klimaschutz muss bezahlbar bleiben. Mit der Erdgas-Brennwerttechnik lässt sich Klimaschutz sozialverträglich realisieren", erklärt Bernhard Funk, Sprecher der IEU.

Lohnende Investition in effiziente Heizungstechnik

Für Eigenheimbesitzer zahlt sich die Investition in den Heizungstausch schnell aus. Mit ihrer kurzen Amortisationszeit hat die Erdgas-Brennwerttechnik ein großes Potenzial, den Sanierungsstau in deutschen Heizungskellern aufzulösen. "Auf Basis dieser Heizlösung können Besitzer von Bestandsimmobilien hervorragend für den Heizungstausch motiviert werden", so Funk weiter. "Die Erdgas-Brennwerttechnik sollte daher in Kombination mit jeglicher solarthermischen Nutzung gefördert werden." Das werde dann auch erheblich dazu beitragen, die Ziele des Nationalen Aktionsplans für erneuerbare Energie zu erreichen oder sogar zu übertreffen.

Laut IEU sind bis 2020 rund zehn Millionen Heizungen in Deutschland modernisierungsbedürftig. Würden diese komplett gegen moderne Erdgas-Brennwertkessel ausgetauscht, ließen sich über 70 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr einsparen. Durch eine verstärkte Nutzung von Erneuerbaren und mit der zunehmenden Einspeisung von Bioerdgas in das Versorgungsnetz wird das Einsparpotenzial noch größer. Dazu Bernhard Funk: "Bioerdgas ist eine regenerative Energie, die die CO2-Bilanz von Erdgas insgesamt verbessert. Kombiniert mit erneuerbaren Energiesystemen wie Solarthermie kann die hoch effiziente Erdgas-Brennwerttechnik somit ein realistisches und bezahlbares Energiekonzept für die Zukunft bieten."



IEU auf den Oldenburger Gastagen 2010

Podiumsdiskussion am ersten Veranstaltungstag


Bereits zum siebten Mal finden vom 30. November bis zum 2. Dezember in der Weser-Ems Halle in Oldenburg die Oldenburger Gastage statt. Im vergangenen Jahr lockte diese erfolgreiche Mischung aus Fachmesse, Kongress und Networking mehr als 1.500 Teilnehmer nach Niedersachsen. Die breit gefächerte Themenpalette reicht von der Entwicklung kundenindividueller und marktgerechter Leistungsportfolios über IT-Dienstleistungen, Regulierungsmanagement, den elektronischen Datenaustausch, Portfolio- und Bilanzkreismanagement, Gastransport und Handel, Lieferantenwechsel, Softwarelösungen bis hin zu energiewirtschaftlichen Lösungen. Gaspolitische Entwicklungen stehen am Eröffnungstag im Vordergrund. Am zweiten Tag geht es um die europäische Regulierung, und am Schlusstag steht die Umsetzung der Regulierungsvorhaben inklusive der dafür maßgeschneiderten Informationstechnologien auf der Agenda.

Die IEU richtet am ersten Veranstaltungstag (30.1.1.) zwischen 15.30 und 17.30 Uhr eine "break-out-session" zum Thema Erdgas pro Umwelt aus.

Als Podiumsteilnehmer haben bereits zugesagt:
Klaus Jesse (Managing Director Vaillant, Präsident des BDH, Vorstandsmitglied der Initiative Erdgas pro Umwelt)
Elmar Esser (Hauptgeschäftsführer des ZVSHK, Vorstandsmitglied der Initiative Erdgas pro Umwelt)
Dr. Holger Krawinkel (Leiter Fachbereich Bauen / Energie / Umwelt bei Verbraucherzentrale Bundesverband)
Stephan Kohler (Vorsitzender der Geschäftsführung Deutsche Energie-Agentur dena) und
Bernhard Funk, Sprecher der Initiative Erdgas pro Umwelt.

Mehr als 40 Aussteller aus verschiedenen Branchen der europäischen Gaswirtschaft stellen in der begleitenden Ausstellung ihre Produkte und Lösungen vor. 


Informationen zu Inhalten und Ablauf der dreitägigen Veranstaltung sind im Internet unter www.oldenburger-gastage.de abrufbar. Über diese Website ist auch die Anmeldung für Besucher (für Einzeltage oder das komplette Tagungsprogramm) und Aussteller möglich.

 

 

 
Erdgasförderung

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Produktionsstart im Babbage-Gasfeld

E.ON Ruhrgas baut die Upstream-Aktivitäten weiter aus. Vor wenigen Tagen hat das Essener Unternehmen die Erdgasförderung aus dem Babbage-Gasfeld in Großbritannien aufgenommen. Dabei handelt es sich um die erste von E.ON Ruhrgas UK E&P (Exploration & Production) betriebene Gasförderplattform. Die Lagerstätte befindet sich rund 80 Kilometer vor der britischen Küste in der südlichen Nordsee. Aus dem Babbage-Feld sollen über einen Zeitraum von 20 Jahren mehr als fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert werden.
 
"Wir freuen uns sehr über den erfolgreichen Produktionsstart auf dem Babbage-Feld. Die Entwicklung des Feldes bedeutet für uns einen Meilenstein im Upstream-Geschäft", betonte Dr. Bernhard Reutersberg, Vorstandsvorsitzender von E.ON Ruhrgas. "Wir sehen in der Exploration und Produktion von Erdgas große Wachstumschancen. Daher haben wir unsere Aktivitäten von Großbritannien und Norwegen auf Russland und Nordafrika ausgedehnt. Mittelfristig verfolgen wir das Ziel, mehr als zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas aus eigener Produktion im Portfolio zu haben."
 
Die Gesamtinvestitionen in das Babbage-Feld belaufen sich auf über 350 Millionen Euro. Die Fördergenehmigung wurde von der britischen Regierung im Jahr 2009 erteilt, der Betrieb erfolgt in zwei Phasen: Die erste Phase umfasste die Installation der Plattform, das Abteufen von drei Förderbohrungen sowie die Verlegung einer 28 Kilometer langen Leitung zur Anbindung an die bestehende Infrastruktur. Zwei weitere Bohrungen sollen in der zweiten Phase im Jahr 2011 abgeteuft werden.
 
E.ON Ruhrgas Exploration & Production ist in sechs Ländern aktiv und förderte im vergangenen Jahr 4,4 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Die Produktion soll in den nächsten Jahren mit der Erschließung weiterer Gasfelder deutlich wachsen. 

 
Zahlen & Fakten

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Energieverbrauch wächst stärker als die wirtschaftliche Leistung

Dank der konjunkturellen Erholung und eines vergleichsweise strengen Winters ist der Energieverbrauch in Deutschland kräftig gestiegen. Im ersten Halbjahr 2010 nahm der Verbrauch an Primärenergieträgern nach Berechnungen der AG Energiebilanzen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als fünf Prozent auf 243,3 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten zu. Damit steigt der Energieverbrauch derzeit deutlich stärker als die wirtschaftliche Leistung. Nach Einschätzung der AG Energiebilanzen deutet dies auf eine besonders kräftige konjunkturelle Erholung in den energieintensiven Grundstoffindustrien hin.

Der Erdgasverbrauch in Deutschland erhöhte sich wegen der verstärkten Nachfrage aus der Industrie und des Mehrverbrauchs in Erdgaskraftwerken um 14 Prozent auf 58,9 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten.  Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegt der Anteil der Industrie am Gesamtverbrauch beim Gas, ähnlich wie beim Strom, bei 40 bis 45 Prozent. Der Einsatz von Erdgas in Kraftwerken ist nach ersten Schätzungen des BDEW gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent gestiegen. Der Verbrauch privater Haushalte hat witterungsbedingt erheblich zugenommen.

Der Verbrauch an Steinkohle stieg laut AG Energiebilanzen um insgesamt 35 Prozent. Hier wurde der rezessionsbedingte Nachfragerückgang des vergangenen Jahres nahezu ausgeglichen. In der Stromerzeugung nahm der Einsatz von Steinkohle um 23 Prozent zu. Der Primärenergieverbrauch an Braunkohle erreichte das Vorjahresniveau. Ein leicht verminderter Einsatz in der Stromerzeugung wurde durch einen höheren Verbrauch an Braunkohlenprodukten ausgeglichen.

Hingegen verringerte sich der Verbrauch an Mineralöl gegen den Trend um sechs Prozent. Angesichts des starken Anstiegs der Ölpreise haben, so die Arbeitsgemeinschaft, viele Verbraucher zunächst auf eine Aufstockung ihrer Vorräte verzichtet. Bei den Kraftstoffen wurden im ersten Halbjahr geringe Rückgänge bei Otto- und Flugkraftstoff registriert, beim Dieselkraftstoff hat es einen leichten Anstieg gegeben.

Die erneuerbaren Energien legten im ersten Halbjahr 2010 um gut sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Dabei verringerte sich die Stromerzeugung aus Wasserkraft um sieben Prozent, die der Windkraft blieb unverändert. Gewinner waren die Photovoltaik mit einem Plus von 64 Prozent und Biogas (plus zwölf Prozent). Der Anteil der Erneuerbaren am Primärenergieverbrauch stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 8,8 Prozent.

Auch Strom im Plus

Nach aktuellen Berechnungen des BDEW lieferte die Energiewirtschaft im ersten Halbjahr dieses Jahres mit 274 Milliarden Kilowattstunden 4,6 Prozent mehr Strom an ihre Kunden als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Damit wird laut BDEW allerdings noch nicht das Niveau erreicht, das vor Beginn der Wirtschaftskrise verzeichnet worden war. 

 
Kopf des Monats

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Dr. Oliver Geden

"Die Klimapolitik muss sich, wenn sie wirksame Verän-derungen anstoßen will, stärker von der Klimaforschung emanzipieren."








Bildquelle: SWP

In einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung spricht sich Oliver Geden gegen einen Top-down-Ansatz in der Klimapolitik mit vorgegebenen Klimazielen wie beispielsweise dem Zwei Grad-Ziel aus. Zwar sei es aus wissenschaftlicher Perspektive durchaus sinnvoll, globale Temperaturgrenzen zu definieren, politikfähig sei ein solcher Ansatz jedoch nicht. Vielmehr müssten ambitionierte klimapolitische Akteure wie die EU den Beweis antreten, dass die Transformation in "low carbon economics" technologisch möglich und ökonomisch auch erfolgreich ist, mit positiven Effekten nicht nur für das Klima, sondern auch für Energiepreise und Versorgungssicherheit. Gelänge dies, würden andere Industrie- und Schwellenländer schon aus Eigeninteresse folgen, auch ohne Weltklimavertrag.


Dr. Oliver Geden ist bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin zuständig für die Forschungsfelder Energie- und Klimapolitik der EU, Strategische Politiksteuerung und Politische Kommunikation. Er ist unter anderem Mitglied der Expertengruppe Politikberatung der Bertelsmann-Stiftung.

 
Literaturtipp

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Peter Hennicke, Susanne Bodach: Energie Revolution

Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien als globale Herausforderung

Der frühere Präsident des Wuppertal Instituts Peter Hennicke und die Architektin Susanne Bodach wollen mit ihrem Buch aufzeigen, wie wichtig der möglichst schnelle und vollständige Abschied von den fossilen Energien und der Kernkraft für den Klimaschutz, aber auch für die wirtschaftliche und politische Stabilität ist. An die Stelle der bisherigen Energien sollen die Renewables treten. Die Autoren machen aber auch klar, dass dann nicht alles Andere weiterlaufen kann wie bisher, sondern ein Umstieg auf Erneuerbare nur im Konzert mit Maßnahmen zu einer deutlichen Energieeffizienzsteigerung sowie massiven Verhaltensänderungen der Energieverbraucher möglich ist.
 


Oekom-Verlag, München 2010
ISBN 978-3-86581-205-6
19,90 Euro
 

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